Was jetzt?
Beschreibung
Auch heute lassen sich KIs noch aus dem Konzept bringen: Zweifelt man eine ihrer Entscheidungen an und schlägt eine andere vor, wird’s interessant!
Als ich dieses Foto auf Facebook stellte, bekam ich schon bald darauf von einer Freundin den Hinweis, dass ich da einen Buchsbaumzünsler fotografiert hätte. Eine Überprüfung bei Google bestätigte das.
Kürzlich fielen mir die Bilder dieses Falters wieder in die Hände und ich wollte – aus welchem komischen Grund auch immer – nochmal wissen, um welche Art es sich handelt. Also zeigte ich einer KI das Foto und bat sie um eine Bestimmung.
«Eindeutig ein Russischer Bär», kam die Antwort. Ich war verwundert. Hatte ich doch vor einem Jahr auch ganz eindeutig die Bestimmung «Buchsbaumzünsler» erhalten. Ausserdem ist der Russische Bär bei uns selten und steht auf der Roten Liste.
Ich wurde neugierig und fragte die KI: «Könnte es nicht auch ein Buchsbaumzünsler sein?» «Nein, ein Buchsbaumzünsler ist ausgeschlossen …», kam die Antwort.
Das wurde immer mysteriöser. Also entschied ich mich, noch eine zweite KI zu fragen. «Das ist sehr wahrscheinlich ein Buchsbaumzünsler …», lautete diesmal die Antwort. Natürlich fragte ich auch hier nach, ob es denn nicht vielleicht doch ein Russischer Bär sein könnte. «Ja, du hast recht – das ist sehr wahrscheinlich ein Russischer Bär. Ich habe mich vorhin getäuscht …»
Dann sagte ich der KI, sie solle nochmals mit «Tiefgang» und ganz genau prüfen, um welchen Falter es sich handelt, denn eine andere KI tippe auf einen Buchsbaumzünsler. Nach fast einer Minute kam erneut eine Entschuldigung: «… die anderen KIs haben recht … ich muss meine vorherige Korrektur wieder zurücknehmen. Es ist ein Buchsbaumzünsler …»
Entstehung des Fotos
Letzten Sommer flog mir am helllichten Tag dieser Artgenosse ans Wohnzimmerfenster, wohl um sich etwas auszuruhen. Ein Nachtfalter, dachte ich. Und weil er so schön dasass, schob ich vorsichtig den Vorhang zur Seite und machte mit dem griffbereiten Handy ein Foto – was man hat, das hat man.
Das Tier dachte jedoch überhaupt nicht daran, sich zu bewegen oder gar wieder wegzufliegen. Also wurde ich mutiger und holte aus dem Nebenzimmer meinen Fotoapparat. Vielleicht bleibt er ja noch einen Moment …
Die ersten Fotos machte ich quasi im Gegenlicht. Sie waren schon recht gut, aber ich hoffte, mit etwas zusätzlichem Licht die Unterseite des Falters noch kontrastreicher darstellen zu können. Also holte ich auf die Schnelle eine Lampe und machte weitere Aufnahmen.
Die Qualität befriedigte mich noch nicht ganz und so dachte ich: «Wenn ich ihn bis jetzt nicht weggescheucht habe, dann bleibt er vielleicht noch eine Minute.»
Ich holte meine LED-Leuchte und stand schliesslich am Fenster – in der einen Hand die Leuchte, in der anderen die Kamera. Und das Tierchen blieb einfach da sitzen, als gäbe es keinen anderen Platz auf der Welt.
Es verschwand übrigens erst, als es draussen dunkel wurde.
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